Hornissenschutz in der Schweiz
© 2001 - 2017
www.hornissenschutz.ch
www.vespa-velutina.ch
Unabhängig und nicht Profit orientiert

Hornissenleben von Juli bis August

 
Herausgeber + Webmaster
Andi Roost
Fotos und Zeichnungen
Andi Roost
Wissenschaftliche Beratung
Vakant
 

 

 

 

 

 

Das Jahr einer Hornissenkönigin


Der Juli hat begonnen ;

Die älter werdenen Arbeiterinnen steigen von der Sammlerin zur Baumeisterin auf. Die Baumeisterinnen ihrerseits fliegen denselben Baumaterialplatz immer wieder an und gestalten das Nest aus einem instinktiven Antrieb heraus, welcher aber auch durch die Anwesenheit der Königin gesteuert wird. Versiegt die Ergiebigkeit eines Baumaterialplatzes so sucht sich die Arbeiterin einen neuen Platz. Nur Hölzer, welche durch einen bestimmten Pilz dem Zerfall gewidmet sind – morsch werden –, werden von den Hornissen verarbeitet. Von Weide, Birke, Obstbäumen, Ahorn, Eiche etc. doch vorwiegend sind es Laubhölzer !
Mit den starken Kieferwerkzeugen – Mandibeln – werden die Holzfasern abgeschabt und mit klebrigem Speichelsekret vermengt. Kräftig durchgekaut wird das 2,5 bis 3mm im Durchmesser kugelige Knöllchen ins Nest geflogen. Dort angelangt wird das Knöllchen erneut gut durchgemischt und an ausgewählter Stelle verbaut. Sei dies nun an der Nesthülle oder einer Zelle. Mit dem vorderen Beinpaar wird das Knöllchen an die Kiefer gehalten und in form gekaut. Mit den Antennen wird die Dicke kontrolliert und mit den hinteren Beinen der Abstand z. B. zur äusseren Zellrandung – Stockwerk – oder zu den umliegenden Zellen des Stockwerks laufend geprüft. So wird Knöllchen um Knöllchen Baumaterial verbaut und es entsteht die typische lamellierte gelb-braune Färbung der Nesthülle und des Wabenbaus. Dor wo eine ergiebige Baumaterialquelle vorhanden ist, kann eine ziemlich einheitliche Färbung des Hornissennestes entstehen, ähnlich w e zu beginn der Gründungsphase durch die Königin !

Als erfahrene und im alter fortgeschrittene Arbeiterin wechselt diese nun in den Stand der Jägerin. Zu den Beuteinsekten gehören unter anderem verschiedene Fliegenarten, welche etwa 90% ausmachen, Bremsen, Heuschrecken, Falter, andere Wespenarten (vor allem im Spätsommer !) und ab und an eine Honigbiene, wenn ein Bienenvolk in der Nähe haust. Die etwa 15 Honigbienen pro Hornissenvolk und Jahr schaden einem gesunden Bienenvolk keines Falls ! Das Beuteinsekt wird in der Regel an Ort und Stelle filetiert. Kopf ab, Hinterleib weg, Flügel und Beine werden abgetrennt. Der Brustteil mit den Flugmuskeln wird je nach dem vor Ort von Chitinteilen befreit und ein erstes Mal durchgekaut. Dieses Fleischbällchen wird ins Hornissennet getragen und dort einer jüngeren Arbeiterin übergeben, durchgekaut, portioniert und verschiedenen Larven gereicht. Es ist auch möglich, dass die Jägerin die Beute selbst den Larven verteilt. Einen Teil der Eiweisskraftnahrung wird noch der Königin gereicht, denn des benötigt das Protein noch immer zur Eiproduktion.
Noch immer spaziert die Königin eifrig durch den Wabenbau und legt gelegentlich auch noch Kieferwerkzeug an. Sie formt Zellränder oder an Stiften zur Stockwerkverstrebung. Brutpflege und der Zusammenhalt im Hornissenstaat gehören ebenso zu ihren Aufgaben.
Das Hornissennest ist indes weiter gewachsen und hat an Grösse und Insassen zugelegt.
Der Juli hat begonnen ;
Das Hornissenvolk wächst an beiden Standort – im Estrich und im Meisennistkasten – weiter und die Anzahl der Arbeiterinnen steigt von Tag zu Tag. Unterdessen umfasst der Wabenbau in einem „normalen“ Entwicklungsjahr zwischen 3 bis 4 Stockwerke. Der Durchmesser der einzelnen Stockwerkteller kann jedoch stark variieren ; von 90 bis etwa 150mm ! Im Meisennistkasten wird es langsam aber sicher zu eng.



Ende Juli hat auch dieses Volk im Meisennistkasten mit Entwicklungsrückstand an Stärke gewonnen

Ende Juli Anfang August ;

Es geschieht wie von unsichtbarer Hand gelenkt, dessen genauer Auslöser noch immer nicht restlos geklärt ist. Temperatur, Sonnenstand, Mond, Veränderungen in der hormonellen Struktur der Pheromone der Hornissenkönigin oder haben evtl. die Arbeiterinnen auch noch einen Einfluss oder sind es auch die Veränderungen im Nahrungsangebot und der Vegetation ? Die nun gebildeten Zellen sind einiges grösser, tiefer und dienen der Aufzucht von Geschlechtstieren, also Drohnen, den Männchen, und Jungköniginnen. In der Regel werden
zuerst von der Königin unbefruchtete Eier in die Grosszellen geheftet, teilweise bereits im letzten Arbeiterinnenstockwerk und später befruchtete Eier für Jungköniginnen. Die Königin hat die Möglichkeit dies bei der Eiablage zu lenken. Die Königin wird nun bis zu 40 Eier pro Tag in die Zellen heften und die Zahl der Arbeiterinnen steigt nochmals rasch an. Teilweise kann beobachtet werden, dass innerhalb von ein bis drei Tagen ein neues Stockwerk ausgebildet wird. Bis jeweils ein neues begonnen wird, braucht es immerhin etwa 100 Zellen im darüber liegenden Stockwerk. Alsdann wird etwa zentrisch an einem Berührungspunkt dreier Zellen ein Stiel heraus modelliert und herausgezogen. Die ersten Zelldächer werden ausgebildet und die Königin zur Eiablage animiert. Nun kann auch des Öfteren die Bildung eines Hofes um die Altkönigin beobachtet werden. Dabei wird die Königin von acht bis 10 Arbeiterinnen bedrängt, gefüttert und teil weise auch gekniffen. Noch immer spaziert die Altkönigin im gesamten Wabenbau umher, doch allmählich hält sie sich vermehrt im unteren Nestbereich bei den Grosszellen auf !
Der Wabenbau und die schützende, isolierende Aussenhülle wachsen weiter dem Höhepunkt entgegen.
Im Meisennistkasten ist der Innenraum mit Stockwerken komplett ausgefüllt. Die Hornissen haben nun im Bereich des untersten Stockwerks keinen Platz mehr, um ihren Wabenbau zu erweitern. Der Drang weiterzubauen ist dermassen stark, dass Arbeiterinnen die Umgebung nach einer geeigneten Möglichkeit abfliegen und erkunden. Bietet sich gar die Möglichkeit, unten am Boden des Meisennistkasten weiter zu bauen ? Auch diese Variante wird geprüft. Sind sich die Arbeiterinnen noch nicht einig, so kann es vorkommen, dass an zwei oder drei stellen gleichzeitig neue Zellen ausgebildet werden. Ob nun mit der Königin die ausgesuchten möglichen Standorte für einen Umzug angeflogen werden oder ob die Arbeiterinnen gemeinsam eine Entscheidung treffen, ist noch nicht restlos geklärt. Es wurde jedoch vermehrt schon beobachtet, dass ausgesuchte Standort wieder verlassen wurden. Wird nun der Boden des Meisennistkastens als geeignet angesehen, so wird der Wabebau darunter ohne eigentl ichen Umzug weitergebaut.
Wird nun ein Standortwechsel vollzogen, so spreche ich von einer Umzugsgründung – andernorts wird dies auch Filialbildung genannt. Nachdem nun entschieden ist, wird der Wabenbau rasch grösser und fällt dadurch auf, dass es viele Arbeiterinnen, einen grossen Wabenbau aber kaum Larven oder Puppen in der Anfangsphase hat. Riskant wird es für die Hornissenkönigin, wenn diese zwischen altem und neuem Standort hin und her fliegt. Dies immer begleitet durch einen kleine Eskorte.



Eine Hofstaatbildung um die Königin, welche ab August des Öfteren beobachtet werden kann (18.08.2008).



- Aktualisiert am 19.10.2017 -