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Hornissenleben von September bis Oktober

 
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Das Jahr einer Hornissenkönigin


Die Geburt im September ;

Im Herbst wird durch die Königinmutter das Ei unserer Jungkönigin in eine Königinnenzelle geheftet. Zwei Tag nach der Ablage erblickt eine kleine Larve das „Licht“ der Welt, wobei es im Hornissennest in der Regel dunkel ist!

Fortan wird die kleine rasch wachsende und fünf Häutungen durchwachsende Larve von den Arbeiterinnen mit Muskelfleischbällchen von Beuteinsekten gemästet. Sie wächst behütet und umsorgt auf. Zumindest zur Zeit. Es ist Mitte September und die ersten kühleren Tage kündigen sich nassgrau an. Noch reicht den Hornissen, das was die Natur bietet! Unsere Königinlarve hat sich heute mit einem seidenen Faden aus einer Drüse am Kopf in ihrer Zelle eingedeckelt und bereitet sich auf ihre letzte Häutung und damit auf die Metamorphose zum Vollinsekt, der erwachsenen Jungkönigin, vor.

Nach gut zwei Wochen ist es so weit: Unsere Jungkönigin benetzt den Seidendeckel ihrer Puppenwiege mit Speichel und beginnt die Fäden zu durchtrennen. Mühsam, mit mehreren Pausen zwischendurch, beisst sich unsere Jungkönigin einen Weg aus ihrer Zelle. Sie wird durch die Arbeiterinnen nicht unterstützt. Erst als sie aus der Zelle gekrochen ist erhält sie eine erste Mahlzeit. Vorderhand unterscheidet sich unsere Jungkönigin noch deutlich von Ihren Artgenossinnen im Nest: Sie ist blass – weil ihr Chitinpanzer noch nicht ausgehärtet ist – ihre Flügel noch glatt am Körper anliegen – weil erst nach ein paar Stunden auch die Flügel ihre Endfestigkeit aufweisen – und durch Flugmuskelbewegungen alsdann die Oberflügel in Längsrichtung gefaltet werden können. Daher auch der Gattungsname: Faltenwespen !


Jungköniginnen und Drohnen in Lufttaschen
Jungköniginnen und Drohnen in den Lufttaschen eines Hornissennestes im Jahr 2015.


Jungköniginnen und Drohnen in Lufttaschen
Jungköniginnen und Drohnen in den Lufttaschen und Stockwerken
dieses prächtigen Hornissennestes im Jahr 2016.


Unsere Jungkönigin wird wie ihre Geschwisterköniginnen umsorgt und mit reichlich protein- und kohlenhydrathaltiger Nahrung gefüttert. Es steht noch eine strenge Zeit bevor. Es ist Zeit; irgendetwas zieht unsichtbar für unser Auge, aber magnetisch unsere Jungkönigin aus ihrem Hornissenstaat. An einem schönen sonnigen Herbsttag Anfang Oktober verlässt sie mit weiteren Geschwisterköniginnen und Drohnen das Muttervolk ohne Rückkehr.

An so genannten Drohnensammelplätzen treffen und versammeln sich Drohnen und finden sich Jungköniginnen zur Begattung ein. Das kann z. B. ein Obstbaum auf einer Anhöhe oder einzeln stehend sein. Vorzugsweise verläuft noch eine Ader entlang oder unter dem Sammelplatz. Im Paarungs-S wird zur Begattung geschritten, meist nicht zimperlich, wenn sich zwei oder drei Drohnen um eine Jungkönigin zanken. So kann es schon mal vorkommen, dass einer Königin ein Teil des Flügels abbricht und sie flugunfähig macht. Dies bedeutet ein frühzeitiges Aus, denn diese Jungkönigin wird sterben!


Jungkönigin mit abgebrochenen Flügel
Eine Jungkönigin mit abgebrochenem Oberflügel - Ihr Todesurteil !


Jungkönigin und Drohn in Paarungsstimmung
Jungkönigin und Drohn in Paarungsstimmung nahe eines Hornissennestes.


Unsere Jungkönigin wurde unterdessen von zwei Drohnen begattet und verlässt mit Ziel Winterquartier den Platz lüsternen Treibens. Für den Drohn endet bald das reizvolle Leben. Ab und an kann man noch den einen oder andern an einer Blüte des Efeus Nektar lecken sehen, doch bald holt sie der Tod ein.

Schon bald wird es Ende Oktober ;

Unsere Jungkönigin hat sich einen Riss in einem etwa 3,5 Meter hohen Baumstumpf als Überwinterungsquartier ausgesucht. Geschützt durch einen körpereigenen Frostschutz, welchen sie erst nach erfolgreicher Begattung produzieren kann, wird sie die kalte Jahreszeit überdauern können. Hingegen ist ihre Königinmutter etwa Mitte Oktober einsam und verlassen gestorben.


Altkönigin aus Kotstelle unter Hornissennest
Altkönigin aus Kotstelle eines Hornissenkasten mit Hornissennest.


Nachdem die Jungköniginnen begonnen haben zu schlüpfen, verlieren die Arbeiterinnen nach und nach das Interesse an der Staatenmutter! Die Arbeiterinnen konzentrieren sich auf die Fütterung der Drohnen und Jungköniginnen im Nest. So verlässt die Königinmutter ihr Nest, verkriecht sich in der Aussenhülle, fällt in die Kotstelle oder draussen vor dem Nesteingang zu Boden.



Die Altkönigin kriecht auf dem Boden unter dem Hornissenkasten umher.


Nach und nach erlischt auch das gesamte Leben im Hornissenstaat und nur wenige Tiere sterben im Nest selbst. Die meisten Arbeiterinnen sterben an Alterschwäche oder werden von kühlen Nächten überrascht und finden so ihr Ende.


Abgestorbenes Hornissennest an Einfamilienhaus
Abgestorbenes und durch Vögel geöffnetes Hornissennest an Einfamilienhausdach.


- Aktualisiert am 19.10.2017 -